Ansicht Geburtshaus
Engelbert Kaempfers Geburtshaus in Lemgo
Hexenbuergermeisterhaus Lemgo
Im Hexenbürgermeisterhaus befindet sich die ständige Engelbert Kaempfer Austellung
Der Steinhof in Lieme
Am Steinhof in Lieme, Kaempfers ehemaligem Wohnsitz, wurde zum zwanzigjährigen Bestehen der Gesellschaft eine Gedenktafel angebracht.

Zur Wirkungsgeschichte von Engelbert Kaempfer

Über Engelbert Kaempfers Wirkung auf Literatur, Wissenschaft und Forschung in über 300 Jahren kann hier nur ein Überblick versucht werden:

 

Von seiner Valedictio beim Verlassen des Athenäums in Danzig (1673) ist keine zeitgenössische wissenschaftliche Wirkung nachzuweisen. Vielfältige Kontakte während seiner zehnjährigen Studienzeit belegen Eintragungen in seinem Stammbuch, wo er u.a. als fleißiger und vielseitig gebildeter Student in Krakau und Königsberg/Pr. gewürdigt wird.

Kaempfers Brief an den schwedischen Gelehrten Olof Rudbeck, der ihn möglicherweise als Sekretär der schwedischen Gesandtschaft nach Persien 1683 empfohlen hatte, gibt einen Einblick in seine wissenschaftlichen Pläne. Er belegt, daß seine Reisen der Forschung halber unternommen wurden um wissenschaftliche Beobachtungen zu machen, diese aufzuzeichnen und daraus weitere Erkenntnisse zu gewinnen.

Das hohe Niveau seiner Bildung auf vielen Wissensgebieten sowie als Arzt erleichterte ihm den Zugang zu Wissenschaftlern und Würdenträgern im Ausland. Seine Beobachtungsgabe, verbunden mit zeichnerischer Begabung und sein kritisches Urteilsvermögen sichern ihm bis heute Beachtung als Zeitzeuge und seine Werke können als historische Quellen genutzt werden. Seine umfangreichen Reisenotizen aus Rußland, Persien, Malabar, Siam, Japan und Afrika, soweit nicht im Japanwerk oder in den „Amoenitates“ verarbeitet, sind erst im 20. Jahrhundert bearbeitet und bis heute nicht vollständig herausgegeben worden.

Seine Dissertation zwecks Promotion an der Universität Leiden (1694) nach der Rückkehr aus Japan hat schon als Einzeldruck die Aufmerksamkeit des Engländers Hans Sloane erregt. Zwei seiner Zeichnungen von Persepolis gelangten über einen Brief Witsens, zeitweiliger Amsterdamer Bürgermeisters und VOC-Vorstands, in die „Philosophical Transactions of the Royal Society“ in London. 1704 wurden Auszüge aus der Dissertation in Valentinis „Museum Museorum“ gebracht, außerdem hat Kaempfer sie in die „Amoenitatum Exoticarum…“ (1712) aufgenommen. Dieses 900 Seiten umfassende, mit über 80 Abbildungen illustrierte, in gediegenem Latein verfasste Werk machte Kaempfer in der europäischen Gelehrtenwelt bekannt. Es wurde europaweit auch nach England, Frankreich und Italien geliefert und ist in dortigen Bibliotheken vorhanden. Die darin angekündigten weiteren Publikationen, besonders über das damalige Japan, erregten die Neugier von Hans Sloane. Nach Kaempfers 1716 erfolgtem Tod ließ er den Nachlass aufkaufen und das Japanwerk von dem Schweizer Arzt Johann C. Scheuchzer in englischer Sprache veröffentlichen. Französische und niederländische Übersetzungen folgten.

Für ein Jahrhundert prägte Kaempfer so das Japanbild in der westeuropäischen Literatur. Voltaire und Montesquieu nahmen auf ihn Bezug, sein Werk fand auch Eingang in die Encyclopédie von d'Alambert und Diderot (1751 ff).

Die Botaniker Linné (1753) und Thunberg (1783) verwendeten Kaempfers Katalog japanischer Pflanzen aus dem V. Faszikel der Amoenitatum Exoticarum…, Joseph Banks gab 59 meisterhafte Pflanzenzeichnungen Kaempfers in einem Tafelband in London (1791) heraus.

Christian Wilhelm Dohm veröffentlichte die bei Versteigerung der Kaempferschen Bibliothek aufgefundenen Manuskripte des Japanwerkes, das wegen seines Umfangs von zwei Bänden und zahlreichen Abbildungen nur auf Subskriptionsbasis erscheinen konnte (1777/79). Die mitveröffentlichte Liste der Subskribenten lässt eine weite Verbreitung bis hin nach Petersburg und Moskau erkennen.

Goethe verfasste ein Gedicht auf den von Kaempfer erstmals beschriebenen Gingkobaum, Kant setzte sich mit Kaempfers Bewertung der Abschließungspolitik Japans auseinander. Auch Siebold hat Kaempfers Werk gekannt und benutzt, ohne den von ihm eingesehenen Nachlaß erschöpfend auszuwerten.

Verehrer aus dem Kreis von Naturforschern und Ärzten sammelten 30 Jahre für ein Denkmal in seiner Heimatstadt, das 1864 verwirklicht wurde.

Der Lemgoer Gymnasiallehrer Karl Meier war es denn auch, der sich in den Jahren zwischen den Weltkriegen um die Erschließung von Kaempfers im Britischen Museum verwahrten Nachlass bemühte und, ermuntert von Friedrich Trautz, Teile davon sowie eine Lebensbeschreibung herausgab.

Da Karl Meier auf der braunen Welle des Nationalsozialismus mitgeschwommen war - man wollte Kaempfer als großen Deutschen für die NS-Ideologie nutzbar machen - dauerte es nach dem Krieg einige Zeit und bedurfte des Zuspruchs japanischer Ärzte um Choei Ishibashi, bis die Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft 1971 gegründet wurde.

1964 in Stuttgart und 1980 in Berlin/New York wurde das Japanwerk in der Ausgabe von Dohm erneut aufgelegt,1973 erschien eine japanische Übersetzung von Tadashi Imai. Eine frühere aus der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte dort noch nicht erscheinen dürfen. Die englische Übersetzung von Scheuchzer wurde 1906, in Glasgow, 1929 in Kioto und 1977 in Tokio neu aufgelegt.

Durch internationale Symposien wurde die Bedeutung der Schriften Engelbert Kaempfers in mehrfacher Hinsicht deutlich, so wurde unter Mitträgerschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Stadt Lemgo und unserer Gesellschaft eine Auswahl der Werke herausgegeben, die in sechs Bänden ab 2001 in München erschien. Kurz vorher wurde in Honululu 1999 eine neue Übersetzung des Originalmanuskripts von Kaempfers Japanwerk in englischer Sprache veröffentlicht.

Derzeit wird mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft an einer deutschen Übersetzung der „Amoenitatum exoticarum...“ gearbeitet. Seine darin vertretene Auffassung der Gleichheit und Zusammengehörigkeit aller Menschen unter der Sonne wurde erst im 21. Jahrhundert zu Kaempfers 350. Geburtstag und wenig später auf einem Gedenkstein an seinem Grabe gewürdigt. Sie wirft neues Licht auf seine Persönlichkeit und hebt ihn über viele Gelehrte seiner Zeit und bis heute hinaus.